So kriegt man auch die Kerle

Wie bekommt man Männer bloß zum Fitnesssport? Bewegt sich das starke Geschlecht auch mal freiwillig zu Musik ? Im Studio beim VfL Lüneburg heißt die Antwort neuerdings „Jump & Jab“, Springen und Boxen, ein Ganzkörperworkout aus den USA. Karen Köster war es leid, dass in ihren Kursen wie zum Beispiel beim Energy Dance der Frauenanteil regelmäßig Richtung 100 Prozent tendierte: „Wir wollten mal Männer speziell ansprechen. Bei Jump & Jab ist man die ganze Zeit in Bewegung. Es bringt Spaß, Ausdauer und Kraft.“

Jetzt hauen wir zu: Meine Wangen sind immerhin nicht ganz so rot wie das Shirt.

Jetzt hauen wir zu: Meine Wangen sind immerhin nicht ganz so rot wie das Shirt.

Ich finde mich überraschend in einer reinen Kerlerunde wieder. Sehr viele VfL-Fußballer suchen eine Beschäftigung für die Winterpause, während die sonst mitturnenden Frauen diesmal kollektiv verhindert sind. Es herrscht trotz des eklatanten Männerüberschusses eine Stimmung wie einst in der Diskothek, als Karen die Musik anwirft. Mancher kichert, viele Bewegungen wirken anfangs etwas unbeholfen. Doch es kommt nicht darauf an, möglichst exakt nach Lehrbuch zu boxen oder zu treten. „Jeder kann die Übungen nach seinem Fitnessstand wählen. Du kannst kräftig austeilen oder auch mal locker“, betont Karen.

Die Fußballer wählen in aller Regel die kräftige Version. Manche wünschen sich sogar kleine Hanteln herbei, damit Übungen für die Arme noch mehr bringen. Die Männer vor mir präsentieren bei den Boxeinlagen eine Beinarbeit, die fast an den jungen Muhammad Ali erinnert. Karen stellt begeistert fest: „Ihr macht hier einfach durch. Die Mädchen wollen am liebsten nach jeder Übung eine Trinkpause machen.“

Platzangst jenseits der Popperpaläste

Männer würden in der Disko eh nur pausieren, wenn irgendwo ein Bier winkt. „Temple of Love“ von Sisters of Mercy ertönt im Studioraum – ein wildes Stück, das in den Neunzigern auf jeder Tanzfläche jenseits der Popperpaläste für Platzangst gesorgt hat. Wir machen die Schläge und Tritte nach, die Karen vorführt. Vor mir tobt sich Moritz Hinrichsen besonders intensiv aus. „Mit ein bisschen Grundfitness hält man gut mit“, sagt er. „Nur die Koordination fällt mir etwas schwerer.“ Da ist er nicht allein.

Wir hüpfen mit einem imaginären Springseil, verhauen einen Punchingball, zerhacken mit gezielten Handkantenschlägen stapelweise Holz. Intensivere Belastungen wechseln sich ab mit etwas ruhigeren Phasen. „Locker, locker“, ruft Karen immer wieder. Aber dann: „Schnell springen, schneller, noch schneller.“

Eine Pause gönnt sie uns nicht, gönnen wir uns nicht. Längst gucke ich nicht mehr heimlich zum Neben- oder Vordermann, ob ich denn noch im Takt bin oder die richtige Hand zum falschen Knie führe. Wir alle zappeln herzhaft. „Das war jetzt das Warm-up, oder?“, fragt Dennis Krasnikov. Der kann gut witzeln, er kam ja mit einer guten halbe Stunde Verspätung.

Zum Abschluss steht aber ein gut zehnminütiges Stretching auf Matten an, die bei uns allen sofort großflächige Schweißflecken aufweisen. Pilates light. Selbst diesen Frauenkram lassen sich die Männer widerstandslos gefallen. „Das ist doch eine gute Möglichkeit, sich im Winter fit zu halten“, meint Moritz in der Kabine. Karen ist „sehr erstaunt, wie gut ihr das hingekriegt habt“. Und die Fußballer kommen gern wieder – dann klappt das nächstes Mal vielleicht auch mit einer gemischten Runde.

Wie habe ich es verkraftet? Ganz passabel. Von der körperlichen Belastung her war’s wie ein längerer, betont lockerer Lauf mit ein paar Sprints.

Was haben Läufer davon? Eine prima Ersatzeinheit, wenn’s draußen mal wieder besonders schmuddelig ist oder man ein bisschen in Tanzlaune ist.

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