Wenn aus dem Darf ein Muss geworden ist

Es lief so gut für Fynn Timm. Platz fünf belegte der Lüneburger bei den deutschen Meisterschaften der U-20-Junioren über 1500 Meter. In 3:50,12 Minuten rannte er auf dieser Distanz einen neuen Bezirksrekord. „Es war cool, das geschafft zu haben.“ Kurzum: Der 18-jährige Mittelstreckler hatte gute Chancen, sich in die nationale Spitze vorzukämpfen. Doch er wird es nicht tun. „Ich hatte Probleme, mich zu motivieren“, hatte Fynn Timm gemerkt. Und kam zum Schluss: „Ich brauch‘ das nicht. Man kann auch mit anderen Dingen glücklich sein.“

Die lustige Truppe von der LG Nordheide beim Staffel-Marathon.

Die lustige Truppe von der LG Nordheide beim Staffel-Marathon.

Beim Heideköniginnenpokal in Amelinghausen Mitte August hatte der Zwölftklässler an der Raabeschule noch den zweiten Platz erreicht und fühlte sich gut in Form. Drei Wochen später trat er zur Titelverteidigung beim Lüneburger Tiergartenlauf schon nicht mehr an. Dazwischen grübelte er auf der Seminarfahrt in Schweden. „Irgendwas musste ich verändern“, wusste er. Früher hatte er sich aufs Laufen gefreut, auf jede der drei Trainingseinheiten bei der LG Nordheide in Winsen/Luhe, auf die drei zusätzlichen Läufe pro Woche in Lüneburg.

Doch irgendwann wurde aus dem Darf ein Muss. „Ich muss trainieren, sonst geht die Fitness flöten. Und wenn ich noch besser werden will, dann muss ich noch mehr trainieren. Dieses Muss, das war das Problem.“ Und schließlich kam er zum Ergebnis, dass er gar nichts muss. Seine Eltern und Großeltern weihte er als erste ein; diese zeigten Verständnis. „Gerd Prüsmann, mein Trainer bei der LG Nordheide, reagierte etwas bockiger. Er war sehr überrascht“, erzählt Fynn Timm. Er hatte mit seinen Nordheider Teamkollegen beim Staffelmarathon in Over-Bullenhausen noch einmal richtig Spaß. „Man soll aufhören, wenn’s am schönsten ist“, weiß der Lüneburger, der kurz darauf seine aus den USA besorgten Spikes („nur zweimal getragen“) zum Verkauf anbot.

Nun trägt er wieder Fußballschuhe, und zwar beim FC Dynamo Lüneburg in der 1. Kreisklasse. Fynn Timm gehörte einst zur erfolgreichen C-Jugend des FC Hansa, aus der Philipp Borges, Phillip Gruhn und Christian Okafor mittlerweile im Oberliga-Kader angekommen sind. Als diese Truppe sich vor drei Jahren aufgelöst hatte, entdeckte Fynn Timm das Laufen als Leistungssport für sich – und geht nun wieder den umgekehrten Weg. Ganz ohne übertriebenen Ehrgeiz. Wenngleich er sich gleich beim zweiten Training am Knöchel verletzte: „Ich bin da in einen Zweikampf an der Eckfahne gegangen. Das musste eigentlich nicht sein.“

Kommentar von Fynn Timm.

Kommentar von Fynn Timm.

Irgendwann will er bei einem Volkslauf starten, „einfach aus Spaß“. Vor allem aber will er nach dem Motto leben, mit dem er auf Facebook Fragen zu seinem Rücktritt beantwortete: „Vielleicht sollten wir einfach das tun, was uns glücklich macht, und nicht das, was vielleicht am besten ist.“

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