Kampf dem Schildkrötentum

Bundesjugendspiele waren für mich der reinste Horror. Wenn ich die Sportabzeichenprüfung bestehen wollte, musste ich schon auf Orkanböen in meinem Rücken spekulieren. Und das alles nur, weil ich einfach nicht schnell laufen kann. 100 Meter? Da würden mir wohl auch heute die achtjährigen Mädchen auf den Sportfesten wegrennen. Ich kann einfach kein Tempo machen – aber kann ich das wenigstens lernen?

Wenn auf dem Sportplatz Oedeme mal nicht so viel los ist wie hier, traue ich mich auch mal auf die Bahn - also etwa ab ca. 23.45 Uhr. Foto: Gymnasium Oedeme

Wenn auf dem Sportplatz Oedeme mal nicht so viel los ist wie hier, traue ich mich auch mal auf die Bahn – also etwa ab ca. 23.45 Uhr. Foto: Gymnasium Oedeme

Meinen Marathon in Düsseldorf habe ich mittlerweile gut verdaut. Neue Ziele braucht der Mann. Und nachdem ich einen ganzen Haufen guter Vorsätze gefasst habe (mehr Ausgleichssport, bessere Technik, Stabi-Training usw., weniger Schokolade und Kuchen), will ich doch einmal meine zentrale Schwachstelle bekämpfen: meine Lahmarschigkeit auf den kürzeren Strecken. Klar, wer einen Halbmarathon unter 1:35 oder einen Marathon unter 3:20 laufen will, der sollte für die 10 Kilometer schon mal weniger als 45 Minuten brauchen. Nur: Wie schaffe ich das?

Hoffnung naht in Gestalt des Newsletters von Peter Greif. Der Schinder Laufsportexperte aus Seesen widmet sich in seinem aktuellen Newsletter vom 14.5.2013, als habe er meine geheimsten Wünsche erraten, der Schnelligkeitsverbesserung innerhalb von sechs Wochen. Ich bin mal so frech, den Plan für eine angestrebte Zeit von 45:00 zu kopieren.

  • 1. Woche: Je 2 x 600 – 800 – 1000 – 1200 m in 2:29 – 3:25 – 4:24 – 5:21 min sec bzw. min. Gleiche Länge Trabpause, auf keinen Fall abkürzen. Laufe jede Serie im beschriebenen Rhythmus durch, erst alle 600-er, dann alle 800-er usw. Pulsbereich unbegrenzt. Vorsicht bei dieser Einheit, laufe nicht zu schnell an!
  • 2. Woche: Je 2 x 400 – 600 – 800 – 1000 m in 1:32 – 2:29 – 3:25 – 4:24 min sec bzw. min. Gleiche Länge Trabpause, auf keinen Fall abkürzen. Laufe jede Serie im beschriebenen Rhythmus durch, erst alle 400-er, dann alle 600-er usw. Pulsbereich unbegrenzt. Vorsicht bei dieser Einheit, laufe nicht zu schnell an!
  • 3. Woche: Je 4 x 400 – 600 – 800 m in 1:32 – 2:29 – 3:25 min sec bzw. min. Gleiche Länge Trabpause, auf keinen Fall abkürzen. Laufe jede Serie im beschriebenen Rhythmus durch, erst alle 400-er, dann alle 600-er usw. Pulsbereich unbegrenzt. Vorsicht bei dieser Einheit, laufe nicht zu schnell an!
  •  4. Woche: Je 4 x 200 – 400 – 600 m in 0:43 – 1:32 – 2:29 min sec bzw. min. Gleiche Länge Trabpause, auf keinen Fall abkürzen. Laufe jede Serie im beschriebenen Rhythmus durch, erst alle 200-er, dann alle 400-er usw. Pulsbereich unbegrenzt. Vorsicht bei dieser Einheit, laufe nicht zu schnell an!
  •  5. Woche: 15 x 400 m in 1:30 sec mit 600 m Trabpause. Kürze diese Pause nicht ab, auch wenn irgendwelche Schwätzer etwas anderes sagen. Pulsbereich unbegrenzt.
  •  6. Woche: 20 x 200 m in 0:43 sec mit 400 m Trabpause. Wenn du diese Einheit nicht ganz diszipliniert läufst, dann hast du bei den letzten fünf Wiederholungen so richtig deinen Spaß. Pulsbereich unbegrenzt.

Einige seiner Tipps, zum Beispiel für den Wiedereinstieg nach einer Verletzung oder Krankheit, schlugen bei mir zuletzt erstaunlich gut an, also versuche ich mal, meine Laufbahnallergie zu überwinden, auch wenn mir beim Blick auf das Pensum in Woche 5 und 6 jetzt schon sämtliche Muskeln weh tun. Es ist ja nicht so, dass Greif das Intervalltraining erfunden hat. Auch bei den einschlägigen Gurus von Marquardt bis Steffny taucht die Intervallmethode als Mittel auf, schneller, ausdauernder und kräftiger zu werden. Und ich brülle mich schon in Gedanken an: Trainiere das, was du nicht kannst, nicht das, was du besonders gut kannst.

Nun brauche ich nur noch einen schönen Lauf, auf den ich hintrainieren kann. Ich habe immer noch keine „offizielle“ 10-km-Bestzeit, weil bei uns in der Region meist doch nur krumme, nicht offiziell ausgemessene Distanzen angeboten werden. Das sollte sich, im wahrsten Sinne des Wortes, schnellstens ändern! Ich habe mir sogar schon schöne 10-km-Läufe, die Ende Juli in meinem Urlaub steigen, ausgeguckt. Wie wäre es zum Beispiel mit Heiligenhafen oder Berlin? Mal sehen, ob meine Euphorie und meine Trainingseifer bis dahin halten…

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