Die Gesichter der Helden

Bei aller Begeisterung über den Hamburg-Marathon – wie kommen die Veranstalter bloß auf die gigantische Zahl von 750.000 Zuschauern? Allmählich ahne ich es. Ich stieg beim Hauptbahnhof aus, guckte da ein bisschen zu. Über den Jungfernstieg marschierte ich dann Richtung Zielraum. Ich tat einfach das, was viele Freunde, Angehörige oder Einwohner tun, nämlich den Standort wechseln. Ich war sozusagen drei von 750.000 Zuschauern. Und ein paar Bilder habe ich auch mitgebracht:

Diesmal hatte ich mir rechtzeitig einen guten Platz im Zielbereich ergattert – nur das Fotografieren war dort praktisch nicht möglich, weil die meisten Läufer direkt vor meiner Nase dem Ziel entgegenrannten. Um so besser konnte ich in die Gesichter der Helden gucken. Niemand guckte ein paar Meter vor dem Ziel einfach nur so cool. Freude, Stolz, Entschlossenheit, Erleichterung, bisweilen aber auch Schmerz oder Enttäuschung – die Mimik jedes Einzelnen sprach Bände.

Bewundernswert, wie leichtfüßig der Sieger Eliud Kipchoge nicht nur ins Ziel stürmte, sondern danach noch locker zu einer kleinen Ehrenrunde startete, sich bei Zuschauern und den Cheerleadern für die Unterstützung bedankte. Wilson Kiprop, sein Landsmann aus Kenia, war dagegen das zumindest aus meiner Sicht tröstliche Beispiel, dass auch Ostafrikaner einbrechen können. Lange war er vorn mit dabei, für das letzte kleine Stück von der 40-km-Marke bis ins Ziel benötigte er aber 15:43 Minuten. Mit leerem Gesicht joggte er die letzten Meter.

Viele Lüneburger, die ich traf, schafften aber teils bemerkenswerte Bestzeiten. Einen 40. Platz in der Gesamtwertung und einen Sieg in der Altersklasse M50 bejubelten die beiden Schnellsten. Was ich nur schade finde: Es sind doch seit einiger Zeit immer wieder die gleichen Gesichter, die man in Hamburg sieht. Einige emsige Leute wie Wilhelm Stumpenhausen, Rüdiger Adamaszek sowie Susanne und Jürgen Thies  haben über Jahre hinweg viele Leute an den Marathon herangeführt, diese Quellen sind mehr oder weniger versiegt. Und neue Marathonis sind so kaum noch in Sicht. Vor allem die Frauen haben sich rar gemacht – weil die sich lieber gruppenweise denn als Einzelkämpferinnen vorbereiten?

Sehr schade, denn wer einmal bei einem Spektakel wie in Hamburg mitgemacht hat, der möchte das immer wieder erleben. Eine echte Marktlücke in und um Lüneburg: Wer züchtet die nächste Marathon-Generation heran?

PS: Beim nächsten Mal suche ich einen anderen Treffpunkt aus. Die Meeting Points waren nicht nur arg abgelegen. Dazu kam noch, dass die Punkte A bis C gar nicht aufgebaut waren. Gut, dass mich wenigstens einige Leute noch an Punkt D gefunden haben…

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