Jetzt erst recht

Seit ein paar Tagen humple ich nur noch durch die Gegend. An Training ist nicht zu denken, den Marathon in Düsseldorf hatte ich eigentlich schon abgehakt. Doch jetzt hoffe ich wieder: Alle Knochen und Bänder sind heil, das ergaben Röntgenbild und MRT. Nur die Sehnen am Knöchel sind arg gereizt. Ein paar Tage Schonung, und dann geht’s hoffentlich wieder los. Ich will unbedingt in Düsseldorf starten, wobei mir die Zeit inzwischen so etwas von egal ist. Ein Zeichen muss gesetzt werden – von ein paar tausend anderen Läufern und von mir.
boston

Der traurige Anlass heißt Boston.  Ein Anschlag auf den traditionsreichsten Marathon der Welt an einem symbolträchtigen Ort erschüttert nicht nur die USA, sondern auch Läuferinnen und Läufer aus aller Welt. Diese wollten in Boston einfach nur laufen und ihren Spaß haben, unabhängig von Nationalität, Religion, Hautfarbe, politischer Gesinnung, Alter oder Geschlecht. Jeder, der 42,195 Kilometer durchhält, kann mitmachen, vom Eliteläufer aus Kenia oder Äthiopien bis zum Freizeitjogger. Jeder kann zugucken, ohne Eintrittskarten, ohne Kontrollen. Ein Anschlag auf den Boston-Marathon ist ein Anschlag auf die Freiheit.

„Die psychologische Wirkung betrifft uns alle“, schreibt Blogger Hendrik Auf’mkolk in seinem lesenswerten Beitrag „Heartbroken Hill, forever„. Sein Wunsch: „Es mag banal klingen, aber wir dürfen nicht aufhören, zu laufen.“ Ähnlich kommentiert Hajo Schumacher alias Achim Achilles unter dem Motto „Die Antwort auf Gewalt ist ein Lauf„: „Bomben sollen Angst verbreiten, Misstrauen säen, die Menschen auseinandertreiben. Wer dagegen läuft, der sagt gemeinsam mit Freunden und Gleichgesinnten: Wir lassen uns nicht einschüchtern.“

So sehe ich das auch. Der oder die Täter wollen uns Angst machen, wollen uns die Freiheit nehmen, das mit vielen anderen Leuten zusammen zu tun, was wir wollen. Doch wir sollten uns nicht einschüchtern lassen und diesen Tätern zeigen, wie viel uns diese Freiheit wert ist. Ich reise am kommenden Sonntag als Zuschauer nach Hamburg, eine Woche später als Aktiver nach Düsseldorf – und wenn ich die letzten 20 Kilometer durchhumpeln muss. Ich will meinen klitzekleinen Beitrag dazu leisten, die Freiheit eines Marathonlaufs zu verteidigen. Was ist dagegen schon ein dicker Knöchel?

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s