Marathon-Mann ohne Trainingsplan

Andere sammeln Briefmarken oder Bonusmeilen, Christian Fehling Marathonläufe. Seinen 100. hat er gerade erst im Januar im sonnigen Florida beendet. Dorthin wären sicher gern auch die meisten Aktiven geflogen, die beim Halbmarathon in Scharnebeck zitterten, bibberten und mehr schlecht als recht über die vereiste Piste stolperten.

Lächeln im Schnee: Christian Fehling auf den letzten Metern in Scharnebeck.

Lächeln im Schnee: Christian Fehling auf den letzten Metern in Scharnebeck.

Nicht so Fehling, der es gemütlich angehen ließ. „Ging heute nicht so schnell“, meinte der 41-Jährige aus Marschacht vergnügt im Ziel, „nach dem Marathon gestern.“ Fehling war einer von fünf Unentwegten, die in Hamburg-Moorweide die 42,195 Kilometer im Schnee abspulten – es war sein 107 Marathon.

Der Langstreckler nimmt sich in diesem Jahr wieder rund dreißig Starts über diese Distanz vor. Zumeist im Norden, zum Beispiel bei den Läufen, die der 100 Marathon-Club in Hamburg-Öjendorf veranstaltet. Seinen 100. hat Fehling im Januar in Miami absolviert, einem für ihn sehr untypischen Lauf mit vielen tausend Teilnehmern. „Da war es mir doch ein bisschen zu überfüllt“, meint er. „Ich mag eher Naturläufe wie zum Beispiel Liepe oder Suderburg.“ Er schaffte auf seiner ersten USA-Reise insgesamt sechsmal die Strecke – dreimal an Land und dreimal an Bord des Kreuzfahrtschiffs.

Kaum Zeit fürs Training

Fehling ist ebenso wie seine Freundin Sabine Heidmann seit vielen Jahren auf der Laufpiste zu Hause, wagte sich 2002 erstmals in Berlin auf die Königsstrecke – und beließ es anfangs bei einem Frühjahrs- und einem Herbstmarathon. „Aber dann habe ich vor drei Jahren in Öjendorf die Verrückten kennengelernt.“ Leute, die zum Teil mehrere Marathonläufe pro Woche abspulen. Er selbst gab die Tempojagd nach Trainingsplänen bald auf: „Das mochte ich sowieso nicht, ich lasse mir ungern etwas vorschreiben. Und ich bin beruflich als Servicetechniker für Aufzüge so sehr eingebunden, dass ich so gut wie nie trainiere.“ Wenn mal Zeit bleibt, dreht er eine Runde durch den Tiergarten.

„Das ist für mich die pure Entspannung und das ideale Mittel, um den Kopf frei zu bekommen“, schwärmt der Vielläufer von seinem Sport. Und seitdem er ruhiger läuft, zicken auch das Knie oder die Achillessehne nicht mehr he„rum: „Ich übertreibe es halt nicht.“ Bei seiner Freundin macht das Knie solche Umfänge nicht mit, daher beschränkt sie sich meist auf kürzere Strecken.

Seinen Hausrekord von 3:20 Stunden wird Fehling so schnell nicht mehr gefährden. Jetzt benötigt er in der Regel um die 3:45 Stunden – oder auch mal 4:45, wenn er auf der Strecke einen interessanten Gesprächspartner findet. So wie zuletzt den Hamburger Rekordmann Christian Hottas, der am 5. Mai in Hannover seinen 2000. Marathon bestreiten wird.

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Ein Gedanke zu “Marathon-Mann ohne Trainingsplan

  1. …wow…Wahnsinn Christian…der 107. Marathon…Du bist „unser Held“…deinen 125. laufen wir dann hoffentlich wieder mal gemeinsam!!!…dauert ja nicht mehr allzu lang!!!

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