Was schief gehen kann…

Ach ja, Scharnebeck. Ich war diesmal grippebedingt nicht als Aktiver, sondern nur als Zeitungsmensch vor Ort. So habe ich leider noch viel besser mitbekommen, was alles bei einem Volkslauf schief gehen kann. Leute haben sich verlaufen, andere tauchten plötzlich in der Liste über eine falsche Distanz auf – und ein klein bisschen war ich auch schuld an der Verwirrung. Vielleicht haben so alle etwas daraus gelernt.

Die 10,5-km-Strecke von Scharnebeck.

Die 10,5-km-Strecke von Scharnebeck.

Für die Ortsunkundigen empfiehlt sich ein Blick auf die Strecke. Es gibt zwischen Kilometer 3 und 4 ein kleines Stück, das man kurz nach dem 7. Kilometer noch einmal passiert. Und wer dann wieder rechts abbiegt, statt geradeaus zu laufen, legt eine rund 4 Kilometer lange Ehrenrunde ein. Panne Nummer 1.

Das sollte erfahrenen Läufern, die nicht zum ersten Mal in Scharnebeck sind, eigentlich nicht passieren. Das ist einigen aber doch passiert.  „Ich hatte so aufs Glatteis geachtet und bin den anderen nur hinterher gelaufen“, meinte einer von ihnen, Hans-Hermann Saß. Die Streckenposten mussten also nicht nur darauf achten, wer in der ersten und wer in der zweiten Runde war, sondern auch die Halbmarathonläufer auf ihren Weg bringen – und weil viele der bunten Klebepunkte auf den Startnummern, mit denen die unterschiedlichen Strecken gekennzeichnet werden sollten, wegen der Kälte oder des Windes einfach abfielen, war das Chaos irgendwann perfekt.

Panne Nummer 2: Ich wartete im Ziel nichtsahnend Ewigkeiten auf den Sieger über 10,5 km. Dann rannten drei Leute kurz hintereinander ins Ziel. Ich versuchte, dem Ersten zu gratulieren und ihm ein paar Worte zu entlocken. Er meinte nur: „Ich habe nicht gewonnen. Da waren bestimmt einige schneller.“ Und weg war er, ohne dass ich ihn überhaupt nach seinem Namen gefragt hatte – ich hatte wenigstens seine Startnummer 497 notiert.

Wo ist die 497?

Panne Nummer 3: Nachmittags sehe ich die Ergebnisliste. Aha, gewonnen hat also ein Jan Malec knapp vor zwei anderen Läufern, das kommt also hin. Komischerweise trug keiner aus diesem Trio die Startnummer 497, die ich notiert habe. Diese taucht in der Liste überhaupt nicht auf. Hmmm…

Die Verwirrung ist perfekt: Jan Malec ist zwar online auf http://www.lzsport.de zitiert, hat aber mit niemandem gesprochen und ist definitiv nicht als Erster ins Ziel gekommen. Schön für mich. Jetzt habe ich schon zwei „Sieger“, die gar nicht gewonnen haben wollen. Und wer trug nur die 497?

Die Aufklärung: Irgendwann kam ich auf die Idee, auch mal die Ergebnisliste der 4,6-km-Jogger anzuschauen. Und da war die Nummer 497, Markus Korn, im hinteren Drittel. Anruf beim Fotografen, Anruf bei den Organisatoren, die den Einlauf per Video dokumentiert hatten. Die 497 war tatsächlich Erster, war dann aber im Zielbereich in die falsche Gasse gelaufen – Panne Nummer 4. Gegen 20 Uhr, gut acht Stunden nach dem Zieleinlauf, hatte ich endlich meinen Sieger.

Ein paar der Irrläufer schimpften doch gewaltig über ihr Schicksal, über unfähige Streckenposten und über die Beschaffenheit der Piste. 10 vereiste Kilometer kann man doch mal schnell stubenrein fegen, oder? Und am Ende kam überhaupt niemand von den ersten Dreien zur Siegerehrung.

Zwei Stunden in der Kälte

Einerseits verständlich, anderererseits finde ich es schon sehr schade, dass die vielen Helfer von der SV Scharnebeck sich so viel Negatives anhören mussten. Da standen ein paar Frauen im Zielbereich, notierten mehr als zwei Stunden lang bei Kälte und schneidendem Wind die Startnummern der insgesamt gut 510 Aktiven vom Kleinkind, das eine Runde drehte, bis zum allerletzten Halbmarathoni. Andere froren sich mitten im Wald bei einer Verpflegungsstation den Hintern ab. Noch andere werteten bis 20 Uhr Zieleinläufe aus und wurden dazu noch alle paar Minuten von der Presse genervt.

Das soll natürlich nicht heißen, dass alles ganz toll lief. Aber ich habe in den vergangenen Jahren von Amelinghausen bis Thomasburg die wildesten Pannen erlebt – was halt schief gehen kann… Doch alle Verantwortlichen haben sich danach einen Kopf gemacht und die Probleme durch eine geänderte Streckenführung, neue Zeitpläne, eine neue Zeitnahmetechnik oder einfach durch größere Hinweisschilder in der Regel schnell gelöst.

Ich selbst habe meine Zwangspause übrigens nicht besonders bereut. 10,5 vereiste Kilometer hoch und runter wären nur drei Tage nach Ende einer Grippe definitiv das falsche Mittel gewesen, um wieder in Fahrt zu kommen. Ich drehe morgen ganz gemütlich einen Zwanziger, sofern ich irgendwo im Landkreis noch halbwegs belaufbare 20 Kilometer am Stück finde, und bin dann hoffentlich wieder richtig drin im Training. 41 Tage noch bis Düsseldorf, das bedeuten nur noch knapp vier Wochen harte Vorbereitung. Ich hoffe nur, dass es irgendwann innerhalb dieser vier Wochen auch mal zu tauen beginnt.

Foto: Kerstin Thomas

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Ein Gedanke zu “Was schief gehen kann…

  1. …ich möchte doch mal an dieser Stelle ganz doll eine Lanze für den SV Scharnebeck brechen,der wieder einmal eine tolle Veranstaltung und eine den Umständen entsprechend laufbare Strecke geboten hat!
    Und dem Veranstalter, und deren Verantwortlichen tat das „Durcheinander“ bestimmt mindestens genauso weh,wie den „fehlgeleiteten“ Laufkollegen…aber das ist dann halt so…da gibt es am Ende auch nichts mehr für den einen oder anderen in den Zeiten hoch oder runter zu rechnen,wie zum Teil gefordert…du bist im Ziel,wenn du im Ziel bist!Und die Zeit steht dann!…ist halt so!!!
    In meinen nun schon mehr als 350 Laufstarts hat es mich,glabe ich,auch schon 3-4 mal „erwischt“…und da war ich auch nie ganz schuldlos dran…
    …also,nehmt es wie Männer,und beim nächsten mal auf ein Neues!!!

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