Läuferlatein

Heute anlässlich des nahenden Wintervolkslaufs in Amelinghausen mal wieder ein Griff in die Mottenkiste – der Text von 2008 über meinen allerersten Halbmarathon rund um den Lopausee. Und was soll ich sagen? Mit Nowitzki-Shirts laufe ich heute (zumindest bei den Rennen) nicht mehr herum, doch ansonsten würde ich fast alles immer noch exakt so schreiben.

Dirk Nowitzki am Lopausee anno 2008.

Dirk Nowitzki am Lopausee anno 2008.

Was ist für einen Läufer mindestens ebenso wichtig wie gute Schuhe und eine gute Kondition? Ganz einfach: noch bessere Ausreden für den Fall, dass es doch nicht klappen mag mit der Traumzeit. Zum Wintervolkslauf nach Amelinghausen bin ich mit einem ganzen Rucksack voller vorsorglicher Entschuldigungen für mein Versagen gefahren. Und wurde doch wieder bitter enttäuscht.

Erst einmal der fiese Heuschnupfen! Die Nase lief am Tag vorm Lauf ohne Pause, mutierte quasi zur Ultralauf-Nase. Dann der Arm! Ich Armer musste ja unbedingt am Vorabend mit dem Lütten basketballern und verrenkte mir bei einem Finger Roll (oder was ich dafür hielt) für die Galerie den Wurfarm. Trainiert habe ich in der Woche sowieso eher mäßig, wenn ich da nur an die dicken Beine vom Dienstag denke! Kneifen ging aber nicht, zudem meine Liebste ungefähr die halbe Lüneburger Einwohnerschaft zum morgentlichen Kaffeeklatsch eingeladen hatte. Die weibliche Hälfte, wohlgemerkt. „Männer verboten“, stellte sie klar. Als wenn irgendein Mann die vier Quasselstunden freiwillig mitgemacht hätte.

Okay, gequasselt wurde in Amelinghausen in der Männerumkleide auch zur Genüge. Läuferlatein, dass sich die Balken bogen. Ich weiß nicht, wie sich Frauen diese Gespräche unter Männern vorstellen. Sie dürfen mir glauben: Es ist alles noch viel schlimmer. Erstaunlich, dass all diese Kerle  noch den Mumm haben, sich dieser unglaublichen Tortur in Amelinghausen zu stellen, obwohl sie a) seit Monaten unter diesem fürchterlichen Reizhusten leiden, b) ständig mit diesem irrsinnig langsamen Kumpel Manfred trainieren müssen, nur weil man so sozial denkt, oder c) ständig nur noch 16-Stunden-Arbeitstage kloppt und gerade letzte Nacht erst von einer Geschäftsreise aus Singapur zurückgekehrt ist.

Jedenfalls fühlte ich mich angesichts der allgemeinen Jammerei plötzlich gar nicht mehr so übel. Rein ins Nowitzki-Shirt, an die Fersen des lauferfahrenen Nachbarn geheftet und los ging’s. Und was soll ich sagen? Die Nase war wieder frei, der Arm tat nicht mehr weh und dicke Beine bekam ich auch erst beim richtig fiesen Schlussanstieg. 1:48:29 – mit dieser Halbmarathon-Zeit kann ich ja fast schon angeben.

Ärgerlich nur, dass sowohl die Würstchen als auch der Kuchen gerade Mangelware waren, als ich ins Ziel gekrabbelt war. Also pfiff ich mir später in Lüneburg Fast Food bis zum Anschlag rein. Richtig ausgelaufen bin ich auch nicht mehr. Wird sich bestimmt in der nächsten Laufwoche rächen. Und erst recht beim nächsten Lauf in Scharnebeck. Merke: Gute Ausreden gibt es nicht gratis, die muss man sich hart erarbeiten.

PS 2013: Am 24. Februar lädt Amelinghausen wieder zum Lauf, ich werde auch wieder vor Ort sein. Zumal meine Liebste an diesem Termin wieder zum Frauenfrühstück bittet…

Fotos: Andreas Tamme

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