Nicht noch ein Jahresrückblick II

Wie viel Laufen ist ideal für den Menschen? Da gehen viele Läufer (die Läuferinnen eher nicht) erst einmal von sich als Mittelpunkt des Universums aus. Wer einmal weniger pro Woche rennt, der ist stinkfaul und betreibt doch höchstens Alibisport. Wer einmal mehr rennt, der ist doch ein Running Nerd, hat sonst keine Sozialkontakte und ruiniert sich ohnehin nur die Knochen. Meine Vorstellung von einem idealen Maß: Ich wollte in diesem Jahr 2400 Kilometer laufen, 200 also pro Monat. Und ich hab’s exakt heute geschafft.

Im Lüner Holz, ungefähr auf der Höhe des mit Moos überwucherten Kilometersteins, waren die 2400 voll. Manchmal habe ich mich schon darüber gewundert, dass diese letzten Meter durchs Wäldchen von Adendorf nach Lüneburg asphaltiert sind. Heute habe ich mal nachgeforscht. Von 1968 bis 1985 war dieser heute so ruhig gelegene Weg Teil des Lüner Kreisels, über den der Autoverkehr Richtung Hamburg lief. Nach dem Bau der Ostumgehung, die heute in die Autobahn Richtung Hamburg übergeht, wurde dieser Kreisel überflüssig. Und aus einer der Hauptverkehrsstrecken wurde sehr schnell ein Waldweg.

In Lüneburg ist es allerdings Tradition, dass solche Verkehrspunkte auch nach Jahrzehnten immer noch ihren Namen behalten haben. Wahrscheinlich, um Zugezogene wie mich zu verwirren und ihnen zu zeigen: Ihr werdet nie richtig dazugehören. Beim Lüner Kreisel ist heute eine Ampel zu finden. Die Scharff-Kreuzung heißt so, weil dort ein Herr Scharff 1950 eine Tankstelle eröffnet hatte, die längst Geschichte ist, und die Scholze-Kreuzung verdankt ihren Namen einer Konditorei. Dumm nur für Nicht-Lüneburger, dass diese Namen auf keinem Stadtplan zu finden sind…

Nun aber zu mir und der Jahresstatistik. Läufer lieben Zahlen und Statistiken – dem Thema habe ich mich schon unter dem Motto „Zehn Runden um den Brunnen“ gewidmet. Dabei trage meine Kilometer und Zeiten noch ganz altmodisch ein, statt sie mit einem Hochleistungscomputer am Armgelenk zu erfassen. Und das sieht bei den Monatskilometern doch sehr unausgeglichen aus:

lauf2012

Die Erklärung ist simpel: Es gab ein Leben vor dem Hamburg-Marathon am 29. April. Und eines danach. Im Mai musste ich mich erholen (93 km im Mai, weniger bin ich zuletzt im November 2008 gerannt), aber dann wollte ich im Juni wieder richtig durchstarten. Oder im Juli. Oder nach Olympia. Oder im Herbst, wenn es nicht mehr so warm ist. Nun…

Ich muss zugeben, dass mir nach einem sehr intensiven ersten Jahresdrittel die Lust auf allzu zielgerichtetes Training und auf Wettkämpfe erst einmal vergangen war. Erst Mitte September heftete ich mir wieder eine Startnummer vor die Brust.  So kam ich 2012 neben dem Marathon nur auf zwei Halbe im Februar und April sowie auf vier Zehner bei Volksläufen, insgesamt also nur auf knapp 125 Wettkampfkilometer, knapp 30 weniger als im Vorjahr. Da hatte ich insgesamt 2380 Kilometer geschafft, war allerdings auch mal zwei Wochen krank und damit komplett außer Gefecht.

Andere Zahlen waren mir wichtiger. Zum Beispiel die 0. Null Tage krank oder verletzt, das spricht doch dafür, dass ich es weder unter- noch übertrieben habe mit der Lauferei. Nur nach dem heutigen Lauf zwickte meine Wade, und sie zwickt noch jetzt. Ein ungewohntes Gefühl. Waren das heute etwa schon die letzten Kilometer des Jahres für mich? Eigentlich will ich am Sonntag noch einen längeren Lauf wagen und Silvester noch beim MTV Treubund vorbeischauen. Aber dann käme ich schon auf zirka 2430 Kilometer. Und da fängt doch fast schon der Running Nerd an.

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