Trotzdem

Es gibt tatsächlich einige Dinge auf dieser Welt, die wichtiger sind als ein Marathon. Der Lauf mitten durch New York, wenige Tage nach einem  Hurrikan, wurde viel zu spät, aber gerade noch rechtzeitig abgesagt. Die Stadt hatte und hat genug zu tun mit den Folgen von „Sandy“. Was aber stattdessen in New York passiert ist, das ist ein viel schöneres Zeichen der Solidarität, als es ein Marathon jemals hätte sein können.

Viele Tausend Menschen, auch aus Deutschland, waren nun einmal in New York. Sie mussten noch viel intensiver als wir zu Hause an den Bildschirmen registrieren, welche verheerenden Auswirkungen „Sandy“ hatte. Selbst Profis wie Sabrina Mockenhaupt kritisierten allein den Zeitpunkt der Absage, nicht aber die Entscheidung an sich. „Es wird so getan, als würden wir nur ans Laufen denken. Dabei ist das gar nicht so“, meinte „Mocki“.

Den Beweis traten unter anderem rund 20.000 Aktive an, die zum „New York Run Anyway“ (Trotzdem laufen) im Central Park erschienen und dort ohne Zeitstress und ohne Startnummer einfach ihre Runden drehten. „Die einzige Organisation = ein Aufruf im Internet, unglaublich gute Stimmung, tolle supportende New Yorker…, auch wenn es am Ende nicht ganz 42 km waren… das war unser New York Marathon…es braucht keine 380 Euro für einen tollen, unvergesslichen Lauf“, schrieb eine Teilnehmerin auf jogmap. Läufer sammelten für „Sandy“-Opfer Geld und Material, viele nahmen gar die Fähre nach Staten Island, um direkt vor Ort zu helfen.

Eine andere Läuferin fasst auch meine Gedanken in zwei Sätzen treffend zusammen. Als sie von der Absage des Marathons erfuhr, „hätte ich fast geheult, weil ich zwei Jahre trainiert habe“, sagte Hana Abdo. „Aber was sind zwei Jahre meines Lebens verglichen mit dem ganzen Leben von jemand anderem?“

PS: Auf Haiti starben an den Folgen von Sandy mindestens 54 Menschen, auf Kuba 11. Opfer, an die leider praktisch niemand denkt.

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